Zeitstrahl der KI Epoche 5 von 12
Erste Blüte
Die ersten Programme laufen. Sie können wenig, aber sie tun es sichtbar — und das Geld fließt.
Was in dieser Epoche geschah
1956 stellte der Logic Theorist von Allen Newell, Herbert Simon und Cliff Shaw Sätze aus der Principia Mathematica her — als Programm, nicht als Beweis auf Papier. Es folgten Programme, die Aufgaben in Schritten zerlegten und Abläufe planten. 1958 begann John McCarthy mit Lisp, einer Programmiersprache, die Listen als Grundform nimmt und bis heute in der KI-Forschung benutzt wird.
1966 veröffentlichte Joseph Weizenbaum ELIZA: ein Programm, das Sätze des Nutzers aufnimmt und nach einfachen Regeln erwidert, in der bekanntesten Variante in der Rolle eines Psychotherapeuten. Weizenbaum war erschrocken, wie bereitwillig Menschen dem Programm Verständnis zuschrieben — seine Sekretärin bat ihn, den Raum zu verlassen, damit sie ungestört weiterreden konnte.
Von 1966 bis 1972 baute das Stanford Research Institute Shakey, den ersten mobilen Roboter, der Umgebung wahrnahm, plante und sich bewegte. 1958 stellte Frank Rosenblatt das Perceptron vor, ein Netz, das seine Gewichte aus Beispielen anpasst. 1969 zeigten Marvin Minsky und Seymour Papert, dass ein solches einschichtiges Netz die einfache XOR-Verknüpfung nicht lernen kann.
Der Meilenstein
1966 — ELIZA führt Dialoge, die Menschen für Verständnis halten, obwohl das Programm nichts versteht. Der nach ihm benannte Effekt begleitet jede weitere Stufe der KI.
Warum diese Epoche zählt
Weil hier zwei Dinge zum ersten Mal zusammenkommen: reale, lauffähige Programme und die menschliche Neigung, in ihnen mehr zu sehen, als drinsteckt. Beides prägt die Wahrnehmung der KI bis heute.
Belege
Jahreszahlen, Namen und Zitate dieser Seite wurden am 27. Oktober 2026 gegen die folgenden Arbeiten geprüft; die Wikipedia-Artikel dienen als Übersicht und Einstieg, nicht als Originalbeleg. Die Belege zu den Meilenstein-Sätzen aller Bänder stehen gesammelt unter Belege zum Zeitstrahl.
- Allen Newell, Herbert Simon und Cliff Shaw, The Logic Theory Machine, IRE Transactions on Information Theory, 1956 — en
- John McCarthy, Recursive Functions of Symbolic Expressions and Their Computation by Machine, Communications of the ACM, 1960 (Lisp seit 1958) — de
- Joseph Weizenbaum, ELIZA — A Computer Program for the Study of Natural Language Communication Between Man and Machine, Communications of the ACM 9, 1966; die Sekretärinnen-Anekdote schildert Weizenbaum in Computer Power and Human Reason, 1976 — de
- Frank Rosenblatt, The Perceptron: A Probabilistic Model for Information Storage and Organization in the Brain, Psychological Review 65, 1958 — de
- Marvin Minsky und Seymour Papert, Perceptrons, MIT Press, 1969 — en
- Shakey, Stanford Research Institute, 1966–1972 — en
Beiträge aus dieser Zeit
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